Test
09.10.2017

Vorwärts immer in der Kinokritik

Er ist wieder da! Oder so ähnlich

Berlin, Oktober 1989. Anne (Josefine Preuß) lebt mit ihrem Vater, dem Schauspieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf), ein bekannter DDR-Staatsschauspieler und begnadeter Honecker- Imitator, allein in Ost-Berlin – ihre Mutter ist in den Westen gegangen. Auch Anne hat große Pläne als Schauspielerin, kann sich das aber nicht mehr in der politischen Enge der DDR vorstellen. Ihr Plan steht fest. Mit einem gefälschten Westpass will sie auch „rübermachen“. Und: sie ist schwanger, ausgerechnet von Matti (Marc Benjamin), dem Sohn von Ottos ärgstem Feind und Schauspielerkollegen Harry Stein (Devid Striesow).

m Grunde ist es natürlich eine Farce, die mit VORWÄRTS IMMER! präsentiert wird, aber es ist eine, die im Großen und Ganzen durchaus vergnüglich ist. Das liegt vor allem an Jörg Schüttauf, der es wirklich verstanden hat, die Manierismen, aber auch die nuschelnde Art, wie Honecker gesprochen hat, darzustellen. Er geht ganz und gar in der Rolle auf.

Generell gibt es hier ein Spiel mit den Doppelgängern, da im Verlauf nicht nur Honecker, sondern auch Mielke und Krenz auftauchen – oder besser: die Schauspieler, die sie spielen. Es ist ein amüsantes Projekt, das die Macher mit viel Herzblut, aber auch einem leichten Hang zur Satire angegangen sind, denn was hier geboten wird, ist die natürlich witzige, aber durchaus dramatische Erzählung, wieso es bei den Demonstrationen in Leipzig nicht zum Schießbefehl kam.

Über die wahren Hintergründe kann man spekulieren, die Lösung von VORWÄRTS IMMER! gefällt jedoch, zumal gerade die Auftritte des falschen Honeckers vor seinen echten Genossen sehr viel humoristisches Potenzial haben.

Das ist eine deutsch-deutsche Komödie, die extrem liebevoll und bis in die Nebenrollen exzellent besetzt ist. Sehr schön ist auch Devid Stresow als berühmtester Schauspieler der DDR, der auf seinen Kollegen neidisch ist, weil der der bessere Honecker ist.

Fazit: Eine amüsante Farce, aber 27 Jahre zu spät

Andre Detroit